Rezension | Sanne Munk Jensen & Glenn Ringtved - Wir wollten nichts. Wir wollten alles

Montag, April 06, 2015

Oetinger | 332 Seiten | Einzelband | Hardcover | 17,99 EUR

Zwei Leichen werden aus dem Limfjord gezogen: Liam und Louise. Ihre Hände sind mit Handschellen aneinandergekettet. Alle Indizien weisen auf Selbstmord hin. Louises Eltern zerbrechen fast am Tod ihrer Tochter, doch ihr Vater klammert sich daran, die Wahrheit herauszufinden. Als er Louises Tagebuch findet, eröffnet sich ihm das Leben, das seine Tochter und Liam in den vergangenen Monaten geführt haben.

MEINE MEINUNG
„Wir wollten nichts. Wir wollten alles“ ist ein Jugendbuch, das mich sehr verstört und teils geschockt zurückgelassen hat. Bereits durch den Klappentext weiß man, dass diese Geschichte nicht das klassische Happy End bietet. Das bestätigt sich, als die ersten Seiten gleich vom Tod der zwei Jugendlichen handeln. Die Geschichte und Ereignisse, die zu diesem Ende führten, werden hier von hinten aufgerollt. Die Liebe von Louise und Liam beginnt ganz schön, wird aber schnell immer schwieriger, sodass die gesamte Geschichte düster und hoffnungslos wurde. Einige Szenen waren wirklich hart und ich wollte das Buch einige Male zur Seite legen, weil es einfach zu viel war.

Louise und  Liam verstehen sich sofort, als sie sich kennenlernen. Und es ist die ganz große Liebe. Leider muss ich hier schon sagen, dass ich die großen Emotionen während der gesamten Geschichte nie wirklich gespürt habe, die vermeintliche Seelenverwandtschaft war nicht klar erkennbar. Liam übernimmt sehr schnell die führende Rolle, sodass sich besonders bei Louise eine Abhängigkeit ihm gegenüber herausgebildet hat, die keineswegs mehr gesund war. Während der Geschichte gerät Liam ohne es wirklich zu bemerken immer weiter auf die schiefe Bahn und zieht damit auch Louise ungewollt immer tiefer in den Sog aus Verbrechen und Gewalt hinein. Weder zu Louise noch zu Liam habe ich einen richtigen Zugang gefunden und ich fand sie sehr blass gezeichnet. Auch habe ich ihr Verhalten teils einfach nicht verstanden. Louises Eltern waren ebenfalls nicht sonderlich sympathisch, da sie eher damit beschäftigt waren, sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben.

Mit ihrer Sprache sind die zwei Autoren gerade heraus und nehmen kein Blatt vor den Mund. Alles wurde ungeschönt erzählt, mit teils vulgären Ausdrücken. Die Erzählperspektive war interessant, denn die tote Louise selbst erzählt ihre Geschichte. Dabei gewährt sie nicht nur Einblicke in die Vergangenheit, sondern beobachtet auch die Gegenwart, wie ihre und Liams Familie mit dem Freitod der beiden umgehen und der Suche nach der Antwort auf die große und alles bedeutende Frage nach dem „Warum?“. Gerade durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit wurde jedoch ein guter Spannungsbogen aufgebaut. 

FAZIT
„Wir wollten nichts. Wir wollten alles“ ist ein sehr bedrückendes und verstörendes Jugendbuch, das mich mit einem komischen Gefühl in der Magengegend zurücklässt. Die großen Emotionen und Gefühle blieben aus, die Charaktere waren blass und deren Handlungen nicht immer nachvollziehbar. Aus der erwarteten emotionalen Geschichte vom Freitod zweier Jugendlicher wurde eine Geschichte über eine verhängnisvolle Abhängigkeit und über die unfassbare Wut und Unverständnis der Eltern, die sich gegenseitig in Schuldzuweisungen üben. Es war leider wirklich einfach zu viel. 

2/5 Punkte

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8 Kommentare

  1. Hallo Ela!
    Oh! Eigentlich wollte ich das Buch auch noch lesen, aber deine Rezension hört sich nicht so gut an..Schade.
    Ach übrigens habe ich diese Woche deine Freitagslounge vermisst ;)
    Liebe Grüße,
    Maike ♥

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    1. Hallo Maike,
      ich glaube, ich bin eine der wenigen, denen es nicht gefällt. Hab schon viele gute Rezensionen gelesen. Aber mit hat es leider nicht so zugesagt ...

      Haha, mensch. Erwischt ;) Gab es schon seit zwei Wochen nicht mehr. Ich überarbeite sie gerade etwas .. ;) Am Freitag kommt sie aber wieder, versprochen! :)

      Liebe Grüße, Ela <3

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  2. Hallo liebe Ela,
    Wirklich schade das es dir nicht gefallen hat. Es steht trotzdem noch auf meiner Wunschliste, denn der Klappentext lässt mich immer noch nicht los.
    Aber es kann ja nicht jedem alles gefallen.

    Liebe Grüße, Katja ❤

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    1. Hallo meine Liebe,
      man kann nicht alles mögen, aber ich wünsche dir viel Spaß damit. Meins war es leider nicht ..

      Liebe Grüße, Ela

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  3. Dein Abschlusswort klingt gar nicht so schlecht, wie du das Buch tatsächlich bewertet hast, was ziemlich interessant sind. Ich kann deine Empfindungen gut nachvollziehen, mir aber auch vorstellen, dass andere damit auch anders zurechtkommen/anders empfinden? Auf jeden Fall finde ich es schön, dass du deine Meinung so offen hälst und ich werde das Buch gerne mal im Auge behalten, bislang kenne ich jetzt nur deine Rezi dazu. Danke für diese ehrliche Meinung!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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    1. Wie es klingt nicht schlecht? Ich glaube ich bin eine der wenigen, der das Buch nicht gefallen hat, wenn man sich sonst mal die Bewertungen ansieht. Aber es kann einem nicht alles zusagen. :)

      Liebe Grüße, Ela

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  4. Dann bin ich echt mal gespannt, wie es mir gefallen wird. Tolle und nachvollziehbare Rezensiona uf jeden Fall :)

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    1. Hallo Sandrina,
      wie gesagt, bin wahrscheinlich eine der wenigen, der es nicht zugesagt hat. Aber viel Spaß mit dem Buch und vielleicht ist es ja eher was für dich :)

      Liebe Grüße, Ela

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