Im Gespräch: Ivonne Keller

Samstag, September 26, 2015

Im März habe ich in Leipzig auf der Messe die sympathische Autorin Ivonne Keller kennengelernt und mich kurz mit ihr unterhalten. Im Mai habe ich dann ganz beigeistert ihr Buch "Lügentanz" gelesen und mich gefragt, wie man auf die Idee kommt, so mit der menschlichen Psyche zu spielen, wie Ivonne es macht. Grund für mich, sie nochmal anzuschreiben und sie zu ihren Büchern und ihrer Person zu auszufragen. 

Foto: Droemer Knaur
Liebe Ivonne, vielen Dank erstmal, dass du dir die Zeit nimmst. Möchtest du erstmal ein bisschen was über dich erzählen? Wer bist du, wo kommst du her, was machst du?
Gerne! Ich wurde in einem kleinen hessischen Dorf geboren und wohne seit einigen Jahren mit meinem Mann und meinen drei Söhnen in der Nähe von Frankfurt am Main. Ich bin freie Autorin und im Bereich Text-Services selbstständig tätig, berate bei Romanprojekten und biete auch Lektorat an. Da ich von Haus aus Personalerin bin, berate ich auch im Bewerbungsprozess, helfe z.B. bei der Erstellung der perfekten Bewerbungsmappe.

Seit wann schreibst du und wie bist du dazu gekommen? 
Mit dem Schreiben begann in 2008. Die Idee zu meinem ersten Roman "Margot Bender und der Neger im Garten", einem Familienroman mit viel Witz und Herz für Schwiegermütter und drogensüchtige Bankräuber, kam mir beim Stöbern in Tagebüchern. Sechs Jahre später wurde dieser Roman im März 2014 als Knaur eRiginal unter meinen Pseudonym Jule Engels veröffentlicht. 
2010 schrieb ich "Hirngespenster". Diesmal ein ernstes Thema (dank Olga, einer russischen Einwanderin, gibt es trotzdem viel zu lachen). Eine Geschichte über drei Frauen, die Liebe, einen Unfall und das Leben danach, veröffentlicht bei neobooks (Verlagsgruppe Droemer Knaur) im Dezember 2012 als eBook, im September 2014 als Knaur Taschenbuch. In diesem Mai ist "Lügentanz" erschienen.

Sowohl "Lügentanz" als auch "Hirngespesnter" sind psychologische Spannungsromane (so zumindest meine Meinung). Wie bist du auf die Ideen dazu gekommen und was fasziniert dich daran, genau solche Geschichten zu schreiben?
Die Ideen für meine Romane und Kurzgeschichten bekomme ich aus meinem Alltag. Ich finde es wahnsinnig interessant, wie unterschiedlich Menschen ticken. Was den einen aufregt, findet der andere völlig normal. Was den einen tödlich kränkt, ehrt den nächsten. Wenn ich in der S-Bahn etwas aufschnappe oder in einem Gespräch ein Stichwort fällt, das mich interessiert, dann fängt bei mir das Kopfkino an und die Figuren erwachen zum Leben. Das Leben selbst schreibt doch die schrägsten Geschichten. Manche sind so unglaublich, dass sie einem kein Leser abnehmen würde.
Mich fasziniert insbesondere, was mit Menschen passiert, die kurz davor sind, auszuflippen. Wenn das Leben so anstrengend wird, dass die Fassade bröckelt und man einen Blick auf das werfen kann, das dahinter liegt. 

Du schreibst ebenfalls noch unter den Namen Alice Golding. Wie kam es dazu? Was für Geschichten kann man bei Alice erwarten?
Als ich "Hirngespenster" schrieb - und auch schon bei "Margot Bender und der Neger im Garten" - habe ich gemerkt, dass ich eine humorvolle Seite besitze, die ich beim Schreiben ausleben möchte. Der Verlag meldete zurück, dass in meinen Spannungsromanen diese witzigen Elemente eher unpassend seien (zu recht ;) ), und so schrieb ich einen humorvollen Roman "Gesucht: Traummann mit Ente". Sozusagen zum Ausgleich für die handfesten Themen meiner Spannungsromane. Die Suche nach einem Verlag für diesen Roman erschien mir zu langwierig, also habe ich Selfpublishing ausprobiert. 

Was ist wohl der größte Unterschied zwischen Ivonne und Alice? 
Neben dem Genre die Sprache und der Tiefgang. Ivonne Keller verwendet eine eher nüchternere Sprache, kommt aber den Figuren sehr nahe. Die meisten Figuren haben ja eine psychische "Macke" - um die zu zeigen, muss man sehr nah an die Figuren ran. 
Alices Protagonisten nehmen das Leben leichter und beschäftigen sich mit anderen Themen. Da es romantische Komödien sind, geht es um Liebe und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, gepickt mit Verwicklungen, die die Figuren meist nicht aufhalten können. :) 

Wie viel Persönliches lässt du von dir selbst bzw. von Personen in deinem Umkreis in deine Figuren einfließen?
Das ist schwer zu sagen, weil vieles unterbewusst passiert. Grundsätzlich sind meine Personen frei erfunden. Wo die Eigenschaften herkommen, die sie mitbringen, weiß ich selbst meistens nicht so genau. Es kann zum Beispiel sein, dass ich eine Figur habe, die eigentlich lustig sein soll, aber sie ist es einfach nicht. Andere sprudeln vor Witz. Kurz gesagt: Meine Figuren haben eine ziemliche Eigendynamik. 

Wann ist für dich die beste Schreibzeit? Wie sieht dabei ein typischer Tag bei dir aus?
Ich schreibe vormittags zwischen 11 und 14 Uhr in der Bibliothek meines Wohnortes Bad Vilbel und sehr oft abends zwischen 20 und 23 Uhr. Ich bin dabei sehr diszipliniert und habe ein Tagessoll, das geschrieben werden muss, sonst komme ich auf keinen grünen Zweig. 

Welches Genre liest du selbst am liebsten? Hast du ein persönliches Lieblingsbuch? 
Ich lese sehr gerne die Romane von Petra Hammesfahr und Susanne Mischke. Im heiteren Genre liebe ich Sophie Kinsella und Marian Keyes. Meistens ist das zuletzt gelesene Buch - zumindest wenn es mich begeistert hat - mein Lieblingsbuch. Das waren in diesem Sommer "Papertowns" von John Green und "The girl on the train" von Paula Hawkins. Mein Alle-Time-Favorite ist "To kill a mockingbird" von Harper Lee. 

Hast du ein Sprichwort/Motto, welches dich durch den Leben begleitet? 
"Brotlose Kunst sagt der, der das Leben nicht verstanden hat" Ich glaube, das ist von mir. 

Gibt es derzeit neue Projekte? Worauf dürfen wir uns in Zukunft freuen? 
Ich schreibe gerade an meinem dritten Ivonne Keller Spannungsroman für Knaur und werde in den nächsten Tagen als Alice Golding eine Anthologie mit dem Titel "Das Glück und andere besorgniserregende Ereignisse" herausbringen. 

Noch ein paar Worte zum Schluss: 
Vielen Dank für deine interessanten Fragen, Michaela!
Ich freue mich, wenn deine Leser sich mit mir auf Facebook vernetzten oder meine Homepage besuchen. 

Herzlich, 
Ivonne Keller

Ich danke dir liebe Ivonne, für deine Antworten und freue mich auf ein Wiedersehen, irgendwann und irgendwo :) 

Alles Liebe, Ela
 

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